Meine Mutter weigert sich, auf meine Kinder aufzupassen – und ich stehe am Abgrund: Alenas Geschichte aus München

„Mama, bitte, ich weiß nicht mehr weiter! Ich kann nicht schon wieder meinen Chef um einen freien Tag bitten, weil die Kita zu hat. Kannst du die Kinder morgen nehmen?“ Meine Stimme zittert, als ich am Telefon stehe, das Handy fest umklammert. Ich höre das leise Seufzen am anderen Ende der Leitung, das mir jedes Mal einen Stich ins Herz versetzt.

„Alena, ich habe dir doch schon gesagt, ich bin nicht mehr die Jüngste. Ich habe meine eigenen Pläne. Du musst das selbst regeln.“

Ich schlucke. Meine Mutter wohnt nur drei Straßen weiter, sie ist 62, gesund, geht nicht mehr arbeiten. Aber seit mein Mann vor zwei Jahren bei einem Unfall ums Leben kam, ist sie auf Distanz gegangen. Ich weiß nicht, ob sie mit ihrer eigenen Trauer nicht klarkommt oder ob sie mir die Verantwortung für mein Leben nicht abnehmen will. Aber ich fühle mich so allein wie nie zuvor.

Ich lege auf, starre auf das Display. Meine Tochter Emma, acht Jahre alt, kommt ins Wohnzimmer. „Mama, warum bist du traurig?“ fragt sie mit großen, ernsten Augen. Ich zwinge mich zu einem Lächeln, streiche ihr über die Haare. „Alles gut, Schatz. Geh schon mal ins Bad, ich komme gleich.“

Aber es ist nicht alles gut. Ich habe drei Kinder, einen Halbtagsjob als Verkäuferin im Supermarkt, und seit Monaten jongliere ich zwischen Schichtplänen, Hausaufgaben, Wäschebergen und schlaflosen Nächten. Mein Chef, Herr Schneider, hat schon mehrmals angedeutet, dass meine ständigen Fehlzeiten ein Problem sind. Aber was soll ich tun? Die Kita schließt um 16 Uhr, die Jungs, Max und Jonas, sind erst sechs und vier. Ich kann sie nicht allein lassen.

Abends, wenn die Kinder endlich schlafen, sitze ich oft am Küchentisch, starre auf die Rechnungen, die sich stapeln, und frage mich, wie lange ich das noch schaffe. Ich habe keine Geschwister, keine Schwiegereltern mehr – nur meine Mutter. Und sie will nicht helfen.

Letzte Woche habe ich sie besucht, in der Hoffnung, sie umstimmen zu können. Ich habe Kuchen gebacken, die Kinder mitgenommen. Emma hat ihr ein Bild gemalt, Max hat ihr stolz von seinem ersten Tor beim Fußball erzählt. Aber meine Mutter blieb reserviert, fast kühl. „Alena, du musst lernen, auf eigenen Beinen zu stehen. Ich habe dir schon so oft geholfen. Jetzt bist du dran.“

Ich verstehe sie nicht. Früher war sie immer für mich da. Nach der Scheidung von meinem Vater hat sie alles für mich getan, Überstunden geschoben, damit ich studieren kann. Aber jetzt, wo ich sie am dringendsten brauche, zieht sie sich zurück. Ich frage mich, ob ich etwas falsch gemacht habe. Habe ich sie enttäuscht? Oder ist sie einfach müde vom Leben?

Die Nachbarn tuscheln schon. Frau Berger von gegenüber hat mich neulich angesprochen: „Sie haben es aber auch nicht leicht, Frau Meier. Aber Ihre Mutter, die sieht man ja nie mit den Kindern.“ Ich habe nur genickt, wollte nicht erklären, dass meine Mutter sich weigert, ihre Enkel zu sehen. Ich schäme mich dafür, als ob ich versagt hätte.

Manchmal, wenn ich nachts wach liege, höre ich die Stimmen meiner Kinder im Schlaf, ihre kleinen, unbewussten Geräusche. Dann frage ich mich, ob ich ihnen genug gebe. Ob sie spüren, wie sehr ich sie liebe, auch wenn ich oft gestresst und gereizt bin. Emma hat mich neulich gefragt, warum Oma nie mit uns ins Schwimmbad geht. Ich konnte ihr keine Antwort geben.

Letzten Monat war es besonders schlimm. Ich hatte eine Grippe, lag mit Fieber im Bett, konnte kaum aufstehen. Die Kinder waren zu Hause, weil die Kita wegen Personalmangel geschlossen hatte. Ich habe meine Mutter angerufen, fast flehentlich. „Bitte, Mama, ich kann nicht mehr. Die Kinder brauchen dich.“

Sie kam vorbei, brachte Suppe, blieb aber nur eine halbe Stunde. „Du musst stark sein, Alena. Das Leben ist hart.“ Dann ging sie wieder. Ich habe geweint, als die Tür ins Schloss fiel.

Ich weiß, dass viele in Deutschland ähnliche Probleme haben. Kinderbetreuung ist teuer, die Kitas sind überlastet, und als Alleinerziehende ist man oft auf sich allein gestellt. Aber ich hatte immer gehofft, dass meine Mutter mich auffängt, wenn ich falle. Stattdessen habe ich das Gefühl, sie stößt mich weg.

Vor ein paar Tagen habe ich einen Brief von der Schule bekommen. Emma hat Schwierigkeiten in Mathe, braucht Nachhilfe. Aber ich kann mir das nicht leisten. Ich habe meine Mutter gefragt, ob sie mit Emma üben könnte. „Ich habe keine Geduld mehr für sowas“, hat sie gesagt. „Du musst das selbst hinkriegen.“

Ich bin wütend und traurig zugleich. Ich weiß, dass sie mir früher alles gegeben hat. Aber warum jetzt nicht mehr? Ich habe Angst, dass ich daran zerbreche. Manchmal denke ich, vielleicht sollte ich alles hinschmeißen, zurück nach Österreich zu meinem Vater ziehen. Aber die Kinder haben hier ihre Freunde, ihre Schule, ihr Zuhause.

Gestern Abend, als ich die Kinder ins Bett gebracht habe, hat Emma mich umarmt. „Du bist die beste Mama der Welt“, hat sie geflüstert. Ich musste weinen, weil ich mich so schwach fühle, so unzulänglich. Aber für meine Kinder muss ich stark sein.

Heute Morgen habe ich meine Mutter wieder angerufen. „Mama, ich weiß, dass du deine Gründe hast. Aber ich brauche dich. Die Kinder brauchen dich. Können wir nicht wenigstens einmal die Woche zusammen essen?“ Es war still am anderen Ende. Dann sagte sie leise: „Ich weiß nicht, ob ich das kann, Alena. Es tut mir leid.“

Ich habe aufgelegt, bin in Tränen ausgebrochen. Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. Aber ich weiß, dass ich kämpfen muss – für meine Kinder, für mich. Vielleicht wird meine Mutter irgendwann verstehen, wie sehr ich sie brauche. Vielleicht auch nicht.

Manchmal frage ich mich: Wie viel kann ein Mensch aushalten, bevor er zerbricht? Und warum ist es so schwer, Hilfe von den Menschen zu bekommen, die man am meisten liebt?

Was würdet ihr tun, wenn eure eigene Mutter euch so im Stich lässt? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Ich bin gespannt auf eure Meinungen und Geschichten.