Sechs Monate als unsichtbare Sklavin – Mein Neubeginn bei den Müllers und die Suche nach Würde
„Glaubst du wirklich, du bist hier etwas Besseres? Hier zählt nur, was du tust – nicht, wer du bist! Vergiss das nie!“ Die Worte meiner Schwiegermutter hallen immer noch durch meinen Kopf, während ich mit zitternden Händen vor der Tür der Familie Müller stehe. Ihr Ton, schneidend wie Winterluft in Bayern, hatte mir immer wieder zu verstehen gegeben, dass ich in ihrem Haus nichts weiter war als eine billige Arbeitskraft – eine, die aus Dankbarkeit für ein Dach über dem Kopf schweigen und schuften sollte. Mein Mann Thomas hat mich selten verteidigt. Meistens saß er abends schweigend am Tisch, trank sein Bier und starrte ins Leere, als wäre der Fernseher der bessere Gesprächspartner. Ich weiß bis heute nicht, ob das Gleichgültigkeit, Mutlosigkeit oder eine Mischung aus beidem war.